Allgemeines zu den Früherkennungsuntersuchungen 1

Liebe Mami, sobald du schwanger bist, steht dein Leben Kopf. Sobald dein Baby dann da ist, wird dieses verrückte Leben nochmal bunt durcheinander gemischt und mehrmals auf den Kopf gestellt, bis nichts mehr so ist wie früher. Plötzlich interessierst du dich für andere Dinge, du hinterfragst einige Ansichten neu, du lernst neue Leute kennen, die sich in der gleichen Lebenslage wie du befinden und du hast neue Gesprächsthemen im Kopf. Von der richtigen Windel, über das Stillen und geeignete Schlafrituale bis hin zu den Früherkennungsuntersuchungen, kurz U-Untersuchungen.

Und genau darum, soll es in diesem ersten Blog gehen: die Früherkennungsuntersuchungen. Warum sie so wichtig sind, wann sie gemacht werden, weshalb die Abstände dazwischen wichtig sind und ob es Pflicht ist, die U-Untersuchungen zu machen. Einfach alles, was dich zu diesem Thema bewegt.

Der Blog „Früherkennungsuntersuchung“ wird in zwei Teile unterteilt sein: Blog 1, in dem du allgemeine Dinge über die Früherkennungsuntersuchung erfährst. In Blog 2 erfährst du die genauen Inhalte der U1, U2, U3 und U4.

Zuerst einmal kurz zum Namen „U-Untersuchung“: das vorne stehende „U“ steht für Untersuchung und hat nur in Bezug auf die komplette Untersuchungsreihe seinen Sinn und seine Nutzung. Früherkennungsuntersuchung kannst du hingegen immer verwenden.

Vielleicht hast du dich gewundert, weshalb du einen Brief von der Krankenkasse bekommst und an die U-Untersuchungen erinnert wurdest. Vielleicht hast du dich auch gefragt, ob du sie verpflichtend wahrnehmen musst? Tatsächlich gibt es keine allgemeine Pflicht in Deutschland, die Früherkennungsuntersuchung wahrzunehmen. Eine Ausnahme bilden Bayern, Hessen und Baden-Württemberg, dort gilt seit 2009 eine Wahrnehmung der U1 bis U9 verpflichtend. In den anderen Bundesländern werden diese Aufforderungen zwar auch schriftlich gestellt, aber mehr als Appell an die Gesundheit der Kinder. In Bayern, Hessen und Baden-Württemberg hingegen ist es so, dass, wenn du die U-Untersuchungen versäumst, es sein kann, dass sich das Jugendamt und/oder Gesundheitsamt einschaltet.

Gut zu wissen ist auch, dass mittlerweile viele Kitas einen vollständigen Nachweis der U-Untersuchungen als Bedingung zur Kita-Aufnahme machen.

Warum sind die U-Untersuchungen so wichtig? Anfangs sind die Abstände zwischen den Untersuchungen sehr klein, werden aber ab dem ersten Lebensjahr immer größer. Warum das so ist? Jede U-Untersuchung ist genau auf die Entwicklungsstufe in einem bestimmten Kindesalter ausgerichtet und abgestimmt. Zum Einen soll die Kindergesundheit überprüft werden, zum Anderen geht es aber auch um die altersgemäße (geistige und motorische) Entwicklung deines Kindes. Anfangs erfolgt die kindliche Entwicklung in großen Schritten, fast täglich lernt dein Baby was Neues. https://onlinehebamme.de/mamaratgeber/babys-erstes-jahr/last-but-not-least:-wonder-weeks Je älter dein Kind wird, desto größer werden die Abstände der gravierenden Entwicklungen. Dein Kind ist dann mehr mit dem Feintuning seiner Fähigkeiten beschäftigt als mit der Entwicklung neuer grundlegender Fähigkeiten. Darum ist es auch superwichtig, dass du die vorgegebenen Zeiträume einhältst.

Ganz wichtig: bringe zu den U-Untersuchungen immer das gelbe Heft (gemeint ist das gelbe Kinderuntersuchungsheft) und die Krankenkassenkarte deines Kindes mit! Sonst kann im Worst Case keine Untersuchung stattfinden.

Grundsätzlich gibt es die (teilweise verpflichtenden) Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9, die mit dem Schuleintritt (im Alter von etwa sechs Jahren) enden. Die U10 und U11 sind freiwillig. Im Jugendalter (J1 und J2) können die Jugendlichen dann auch allein zum Arzt gehen und haben die Möglichkeit vertrauliche Fragen zu stellen (z.B. über den eigenen Körper oder die Sexualität).

Einen Überblick über die U-Untersuchungen und die Zeiträumen, in denen diese gemacht werden sollten, findest du vorne auf dem gelben Heft. Bei der U1 bekommst du das gelbe Heft ausgehändigt, gemeinsam mit einem Aufkleber, wo die spezifischen Daten für dein Kind vermerkt sind. Ein kurzer Überblick:

  • U1 – direkt nach der Entbindung; die U1 kann von einer Hebamme oder einem Arzt durchgeführt werden
  • U2 – 3.-10. Lebenstag; ab jetzt muss die U-Untersuchung von einem Arzt gemacht werden
  • U3 – 4.-5. Lebenswoche
  • U4 – 3.-4. Lebensmonat
  • U5 – 6.-7. Lebensmonat
  • U6 – 10.-12. Monat (um den 1. Geburtstag herum)
  • U7 – 21.-24. Monat (um den 2. Geburtstag herum)
  • U7a – 34.-36. Monat (um den 3. Geburtstag herum)
  • U8 – 46.-48 Monat (um den 4. Geburtstag herum)
  • U9 – 60.-64. Monat (zwischen 5 und 6 Jahren)
  • U10 – zwischen 7 und 8 Jahren
  • U11 – zwischen 9 und 10 Jahren
  • J1 – zwischen 12 und 14 Jahren
  • J2 – zwischen 16 und 17 Jahren

Wer trägt die Kosten? Alle U-Untersuchungen (U1 bis U9) werden von den Krankenkassen übernommen, ebenso die Jugenduntersuchung J1. Auch alle von der STIKO empfohlenen Impfungen werden bis zum 18. Lebensjahr von der Krankenkasse bezahlt.

Die Unterschiede bei der Kostenübernahme betreffen die U10, U11 und die J2. Frage da am besten bei deiner Krankenkasse nach und lasse dich beraten. Gegebenenfalls solltest du auch einen Wechsel der Kasse in Betracht ziehen. Es gibt nämlich viele Krankenkassen, die anteilig die Kosten übernehmen und Kassen, die sich nicht beteiligen.

Denke bei deiner Entscheidung, ob du die U10, die U11 und die J2 durchführst, bitte immer an die Gesundheit deines Kindes. Zwischen der U9 und der J1 liegen acht Jahre, was eine enorme Zeitspanne ist, in der dein Kind eine große Entwicklung macht. Gerade im Schulalter zeigen sich häufig motorische/ soziale Auffälligkeiten in der Entwicklung, denen man aber gut begegnen kann, wenn man sie rechtzeitig bemerkt und gezielt behandelt.

Und was ist mit Kindern mit Behinderung/ chronischen Erkrankungen? Auch, oder gerade besonders hier, gilt: gehe regelmäßig zu den U-Untersuchungen. Es kann sein, dass die Kriterien zur Beurteilung der Kindergesundheit nicht auf dein Kind zutreffen. Sprich aber mit deinem Kinderarzt über die Auffälligkeit(en) deines Kindes und über seine persönliche Entwicklung. Der Kinderarzt hat die Möglichkeit Vergleichswerte heranzuziehen, denn dein Kind ist mit Sicherheit nicht das Einzige mit einer Beeinträchtigung. Nur Mut, liebe Mami.

Zu guter Letzt… die Zahngesundheit der Kinder. Ein superwichtiges Thema, wie ich finde. Zwar achtet der Kinderarzt in den U-Untersuchungen U1 bis U9 auf die generelle Zahngesundheit deines Kindes, den Rundum-Schutz hast du aber nur, wenn du frühzeitig (meistens um den zweiten Geburtstag herum) und regelmäßig mit deinem Kind zum Zahnarzt gehst. Aktuell liegt die Empfehlung bei drei Zahnarztuntersuchungen zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr. Ab Schulalter gilt, wie bei den Erwachsenen auch, halbjährlich zur Prophylaxe (Kontrolluntersuchung).

Liebe Mami, sei gespannt auf Blog 2. Dort erfährst du alles Wichtige rund um die ersten vier U-Untersuchungen.