Kuhmilchprotein-Unverträglichkeit

Liebe Mami, du erinnerst dich noch an den Erfahrungsbericht von Mama Bea mit ihrer Tochter Emma Lou? https://onlinehebamme.de/mamaratgeber/der-lange-weg-zur-diagnose-unvertraglichkeit?secret=YSTbUlSwvuIkNZuj79NwgnWlHeyEdirdWie du in dem Bericht lesen konntest, reagiert die kleine Emma Lou sehr heftig auf das Kuhmilchprotein, im ärztlichen Fachjargon auch KMPA (KuhMilchProteinAllergie) genannt. Was genau eine solche Kuhmilchproteinunverträglichkeit ist und wie du mit einer (potentiellen) Diagnose „Unverträglichkeit“ umgehen kannst, erfährst du in diesem Blog.

Grundsätzlich gestaltet sich das Erkennen der Unverträglichkeit für die Kinderärzte meist als sehr schwierig, da es vielfältige Erscheinungsbilder gibt. Gerade bei Stillkindern wie der kleinen Emma Lou ist es eine enorme Herausforderung, diese Diagnose zu stellen. Auch der Erfahrungsbericht von Mama Bea ist nur ein Auszug einer kindlichen Reaktion. Dennoch soll der Blog dich ermutigen, nicht aufzugeben. Du darfst sehen, dass es möglich ist, eine frühe Diagnose zu stellen. Das Wichtigste ist, dass du als Mama an der Sache dranbleibst und nicht lockerlässt, wenn du das Gefühl hast, dass es deinem Baby nicht gut geht.

Von einer Kuhmilchproteinunverträglich spricht man, wenn das kindliche Immunsystem das Milcheiweiß als fremd oder gefährlich einstuft und dann darauf reagiert. Bei Kontakt mit dem Eiweiß, auf das das Kind allergisch reagiert, bildet das Immunsystem eine Überreaktion, die dann die Symptome hervorrufen. Die Kuhmilch hat 25 verschiedene Eiweiße, häufig ist allerdings unklar, auf welches Protein genau reagiert wird oder ob es sogar mehrere sein können.

Wie sehen allergische Reaktionen aus, fragst du dich? Es können …

  • …der Magen-Darm-Trakt (Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, regelmäßige Durchfälle, schleimig-blutiger Stuhl, Verweigerung der Nahrungsaufnahme etc.)
  • …die Haut (Ausschläge, Rötungen von bestimmten Hautpartien, Juckreiz)
  • …oder auch die Atemwege (z.B. Asthma bronchiale, Atemprobleme)
  • …in seltenen Fällen auch das Herz-Kreislauf-System betroffen sein.

Und nur in ganz akuten (zum Glück seltenen) Fällen ist eine solche Allergie lebensgefährlich, in jedem Fall aber bedeutet sie eine deutliche Einschränkung der Lebensqualität. Häufig zeigt der betroffene Säugling auch Unruhe, Müdigkeit und unbestimmtes Schreien, was natürlich auch für die Eltern sehr anstrengend und belastend ist.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einer solchen Erkrankung? Nur 2-3% der betroffenen Bevölkerung sind Säuglinge und Kleinkinder. Doch die Regenerationsquote bei Kleinindern ist zum Glück gut: 75% aller betroffenen Kinder haben bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr eine Toleranz gegen das Kuhmilchprotein entwickelt und bei Beginn des Schulalters sind es sogar 90%. Erwachsene sind weitaus seltener betroffen als Kinder und entwickeln im Laufe ihres Lebens auch keine Toleranz mehr.

Häufig wird die Allergie gegen das Kuhmilchprotein mit einer Laktoseintoleranz verwechselt. Die Symptome sind ähnlich (wie oben beschrieben), die Ursache jedoch grundlegend verschieden. Frage daher bei deinem Kinderarzt ganz genau nach, wenn eine solche Diagnose im Raum steht.

Wie kannst du weiter vorgehen, wenn plötzlich der Verdacht auf „Kuhmilchproteinunverträglichkeit“ da ist? Ein ausführliches Anamnesegespräch mit dem Kinderarzt ist eine wichtige Grundvoraussetzung. Meistens wird der Arzt ein Ernährungsprotokoll/ Ernährungstagebuch vorschlagen, das du mindestens eine Woche lang führen musst. Damit ist gemeint, dass du alle konsumierten Nahrungsmittel und Getränke genau notierst und auch die Art, das Ausmaß und die Dauer der auftretenden Erscheinungen beim Kind. Dieses Protokoll wird dann mit dem Kinderarzt besprochen. Evtl. erfolgt eine Überweisung an die Klinik oder an einen Facharzt, um das Ganze weiter einzugrenzen. Weitere Untersuchungen können ein Haut-Pricktest beim Kind, eine Blutuntersuchung, eine Stuhlprobe oder eine Magen-Darm-Spiegelung sein. Auch wenn das alles fürchterlich klingt, denke bitte immer daran, dass es nur zum Besten von deinem Kind ist. Mit jeder weiteren Untersuchung sollen potentielle Allergieauslöser abgecheckt, eingegrenzt und ausgeschlossen werden.

Und was ist, wenn mein Baby nun wirklich eine Allergie gegen das Kuhmilchprotein hat? Es gibt unterschiedliche Wege. Grundsätzlich ist weiteres Stillen möglich, sofern dein Baby nur diese eine Unverträglichkeit hat und du dich absolut milchfrei ernährst. Stehen aber wie bei Emma Lou weitere Unverträglichkeiten im Raum, so wird es natürlich deutlich schwieriger. Lasse dich am besten individuell beraten, von deinem Kinderarzt, einem Facharzt, deiner Hebamme oder einem Ernährungscenter. Es gibt auch immer die Möglichkeit, auf Spezialnahrung umzusteigen, so wie es die kleine Emma Lou jetzt gemacht hat.

Gut zu wissen: die Spezialnahrung ist extrem teuer, aber die Krankenkasse übernimmt nach Rücksprache einen hohen Teil der Kosten oder sogar die Gesamtkosten.

Weitere Optionen, neben der Spezialnahrung, könnten sein: (da gehen die Meinungen auseinander, bespreche es mit deinem Kinderarzt)

  • sojabasierte Säuglingsnahrung/ Sojadrinks (sofern eine Unverträglichkeit gegen Soja ausgeschlossen wurde)
  • unter Umständen könnte die Milch von Ziege/ Schaf/ Stute/ Esel eine Alternative sein, wobei auch häufig hier die Betroffenen Symptome einer Unverträglichkeit gezeigt haben
  • pflanzliche Alternativen wie Hafer-, Reis- oder Mandelmilch können ergänzend eingesetzt werden. Es ist jedoch nicht ratsam die komplette Ernährung darauf umzustellen oder diese darauf zu stützen.

Die „orale Provokation“, also das regelmäßige testen, ob dein Kind noch allergisch auf das Kuhmilchprotein reagiert, wird unter ärztlicher Anleitung empfohlen.

Liebe Mami, ganz egal für welchen Weg du dich entscheidest: halte bitte immer mit deinem Kinderarzt Rücksprache und mache kleine Schritte! Jedes Kind hat eine individuelle Familiengeschichte und reagiert auf seine Art.

Hoffentlich hast du nicht den Mut verloren, sondern wurdest beflügelt, weiter für dein Kind zu kämpfen. Manchmal ist der Weg anstrengend, von Verzweiflung geprägt und scheint unendlich lang zu sein – aber die Aussicht, dass es den kleinen Lieblingsmenschen eines Tages wieder besser geht, ist für die meisten Mamis und Papis das Größte überhaupt.