Lanugohaar – Das Haar unserer Vorfahren

Liebe Mami, sicherlich hast du schon mal von der Lanugobehaarung gehört. Der zarte Haarflaum, der die Neugeborenen nach der Geburt umgibt und auch schon im Mutterleib vorhanden ist. Welche Funktionen das Lanugohaar genau hat, woher es eigentlich kommt und wo es dir noch in der Welt begegnen kann, erfährst du in diesem Blog.

Lanugo kommt aus dem Lateinischen „lana“ und bedeutet so viel wie Wolle. Darum heißt das Lanugohaar auch Wollhaar. Es bildet sich zwischen der 13. und 16. SSW herum und bietet deinem Ungeborenen Schutz vor dem Aufweichen der Haut im Fruchtwasser. Zu dieser Zeit ist die Haut deines Fötus nämlich noch so dünn, dass man alle Adern und Knochen deutlich erkennen kann. Das Lanugohaar ist pigmentlos, heißt: es hat keine Farbe. Zu jedem Haar gehört eine Talgdrüse, die eine fettige Substanz produziert und somit eine wasserdichte Isolierschicht bildet: die Käseschmiere. Das Lanugohaar trägt also dazu bei, dass die Käseschmiere am Körper deines Babys haften bleibt. Diese zarte Ganzkörperbehaarung unterstützt den Fötus bei der Wärmespeicherung und schützt ihn zudem vor Druck, Vibration und Schall. Gegen Ende der Schwangerschaft (um die 30. SSW) verliert dein Baby einen Großteil des Lanugohaares und dadurch auch viel Käseschmiere. Sein Körper hat jetzt nämlich genügend Unterhautfettgewebe produziert. Die Stellen, an denen größere Haarpartien vorhanden sind (wie z.B. Kopf, Augenbrauen, Wimpern etc.), können auch nach der Geburt noch Käseschmiere enthalten, die dann aber von allein weggeht.

Vielleicht fragst du dich, was mit den abgestoßenen Lanugohaaren passiert? Vielleicht kennst du auch schon die Antwort? Die Härchen schwimmen im Fruchtwasser. Dein Baby trinkt sie mit, das ist auch gar nicht weiter schlimm, sondern sehr wichtig. Mediziner gehen nämlich davon aus, dass das im Lanugo enthaltene Keratin den kindlichen Darm zur Aktivität anregt. Seine ersten Ausscheidungen nach der Geburt sind das Kindspech (Mekonium), welches aus Lanugohaar, Darmzellen und Gallenflüssigkeit besteht.

Die Käseschmiere und die Lanugobehaarung werden als Reifegradmesser gesehen. Je weniger vorhanden ist, desto „fertiger“ wird das Kind eingeschätzt. In der Regel schafft es das Kind, dass bis zur Geburt alle Haare ausgefallen sind – oder zumindest überwiegend. Vielleicht findest du kleine Überbleibsel an den Ohrmuscheln, der Stirn, im Gesicht, dem Rücken oder den Schultern bei deinem Baby. Babys, die um den errechneten ET kommen, werden vermutlich innerhalb des ersten Lebensmonats diesen zarten Flaum verlieren.

Wenn du ein Frühchen bekommen hast, kann es sein, dass die Behaarung weitaus stärker ausgeprägt ist, um dein Neugeborenes beim Wärmespeicher zu unterstützen. Es ist nicht unüblich, dass dein Baby sein Lanugohaar bis zum errechneten Geburtstermin oder ein paar Wochen länger behält.

Wo kann dir im Alltag/ in der Welt da draußen noch Lanugohaar begegnen? Du glaubst vielleicht, dass nur Neugeborene und Babys diesen zarten Flaum haben. Das ist nicht ganz richtig. Denn, wie du vorhin lesen konntest, bietet das Lanugohaar dem Körper einen gewissen Schutz. Bei Menschen mit bösartigen Tumoren, bei Menschen die spezielle, teils sehr starke Medikamente über längere Zeit einnehmen müssen (Wirkstoffe: Minoxidil, Diazoxid, Phenytoin, Ciclosporin) und bei Menschen mit extrem niedrigem Körpergewicht (z.B. Magersucht) kannst du ein erneutes Wachstum des Lanugohaares feststellen. Bei den genannten Menschen ist der Körper durch sein teils fehlendes Fettgewebe und den wachstumsauslösenden Arzneistoffen nicht mehr in der Lage den Körper ausreichend vor Hitze und/oder Kälte zu schützen.

Vielleicht fragst du dich nun, woher dieses Lanugohaar eigentlich kommt? Die Evolutionsbiologie erklärt es so, dass das Lanugohaar ein genetisches Überbleibsel unserer affenähnlichen Vorfahren ist. Funfact: Affenföten bilden auch Lanugohaar aus, das dann erst später vom Fell abgelöst wird.