Zahngesundheit in der Schwangerschaft

„Jede Schwangerschaft kostet dich einen Zahn“ sagt der Volksmund. Diese Aussage gehört mittlerweile ins Reich der Mythen. Tatsache ist aber, dass schlechte Zähne und Zahnfleischleiden durch die hormonelle Veränderung häufiger auftreten.

Wenn die Hormone „verrückt spielen“, hat das auch Auswirkungen auf Mund, Zähne und Zahnfleisch. Die aufgelockerte Mundschleimhaut führt leichter zu Gingivitis (Entzündung des Zahnfleisches) und Parodontitis (Zerstörung des Zahnhalteapparats), inzwischen leiden ca. 30% der Schwangeren darunter. Durch die Proliferation der Blutgefäße wird das Zahnfleisch weicher und empfindlicher als üblich – auch gegenüber Bakterienangriffen. Es entsteht schneller eine

Auswirkung der Zahngesundheit auf das Ungeborene

 des Zahnfleisches (Schwangerschaftsepulis), am Rand siedeln sich Bakterien einfacher an und bilden einen Belag. Zudem ist während der Schwangerschaft der Speichelfluss verringert und der pH-Wert sinkt ab (von 6,7 auf 6,1, bei Emesis (Erbrechen) sogar auf 5,9). Der Speichel wirkt antibakteriell und neutralisiert Säuren – der natürliche Schutz der Zähne ist während der Schwangerschaft also geschwächt.

„Eine 2014 veröffentlichte holländische Studie zeigt: Bei einem Zungenkuss werden bis zu 80 Millionen Bakterien von einer Person auf die andere übertragen. Die Bakterien im Speichel können in der Folge auf das Dreifache ansteigen. Die Studie zeigt auch: Enge Partner weisen oft eine ähnliche Mundflora auf. Je öfter sich ein Paar küsst, desto ähnlicher ist die Bakterienzusammensetzung im Speichel.“

Zahnbeschwerden in der Schwangerschaft

Im Zahnfleisch siedeln sich leichter Keime an und verursachen dort eine Zahnfleischentzündung, die sogenannte Schwangerschaftsgingivitis. Erkennbar ist die Erkrankung meist am Zahnfleischbluten. Breitet sich die Entzündung auf den gesamten Zahnhalteapparat aus, so spricht man von einer Parodontitis in der Schwangerschaft. Vielleicht hast du zudem schon festgestellt, dass beim Genuss von heißen oder kalten Nahrungsmitteln Schmerzen auftreten? Das liegt daran, dass Schwangere empfindlicher an den Zähnen sind, bspw. gegenüber Temperaturreizen. Auch Karies bildet sich in der Schwangerschaft leichter. Das liegt meistens an den veränderten Essgewohnheiten. Wichtig, liebe Mami: solltest du unter Emesis leiden, so kann sich dies noch stärker bemerkbar machen. Langfristig kommt es nämlich durch die Magensäure zu Schädigung vom Zahnschmelz und das Kariesrisiko erhöht sich.

Selten erleben Schwangere eine Gewebshypertrophie des Zahnfleisches (Schwangerschaftsepulis), die in der Regel zunächst schmerzlos ist. Diese bildet sich nach der Geburt oft von selbst zurück. Bei Schmerzen oder Blutungen entfernt der Zahnarzt das überschüssige Gewebe chirurgisch. Am besten geschieht dies aber erst nach der Geburt des Babys, nur in Ausnahmefälle vorher.

Zahnfleischerkrankung sind lokale Infektionen, die eine systemische Infektion auslösen können. Diese sind nachweislich ein Risiko für Frühgeburt und/ oder stehen im Zusammenhang mit den Kindern, die mit einem Geburtsgewicht von unter 2500 Gramm zur Welt kommen.

 

Tipps für die Mama

Der Zahnarztbesuch ist für jeden nicht gerade angenehm, deshalb ist die Beratung der Zahnhygiene sehr wichtig und sollte gerade in der Schwangerschaft thematisiert werden. Die Mama sollte in der Schwangerschaft ermutigt werden, eine sorgfältige Mund- und Zahnhygiene einzuhalten. Plane mindestens zwei Termine zur Kontrolle und Dentalhygiene in einer zahnärztlichen Praxis ein, jeweils einen im 1. und einen im 2. Trimenon. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel ist eine professionelle Zahnreinigung (PZR) am sichersten. Diese stärkt die Zähne eventuell mit Fluorid und versiegelt sie vor schädlichen Einflüssen. Die PZR ist ein gutes Schutzmittel vor Karies und Parodontitis.

Putze außerdem mindestens zweimal täglich die Zähne. Am besten mit einer weichen Zahnbürste, die das Zahnfleisch schont. Eine Zahnbürste mit kleinem Kopf reizt den Gaumen weniger und wirkt dem Brechreiz und der Übelkeit in der Schwangerschaft entgegen. Benutze zusätzlich einmal täglich eine Zahnzwischenraumbürste (Interdentalbürste) oder Zahnseide und säubere damit die Zahnzwischenräume. In den Zwischenräumen tummeln sich nämlich Keime aller Art, zum Beispiel Kariesbakterien.

Massiere dein Zahnfleisch vorsichtig mit einer weichen Zahnbürste oder mit dem Finger, um das Zahnfleisch zu kräftigen und Entzündungen vorzubeugen. Besonders geeignet sind Solezahnpasten mit Meersalz und fluoridhaltige Zahnpasta im Wechsel und Mundspülung mit Ratania-Myrrhen-Tinktur. Kamillen- und Salbeitee als Getränk oder als Mundspülung wirken auch beruhigend und desinfizierend. Sie helfen bei Zahnfleischbluten oder Zahnfleischentzündungen. Noch ein kleiner Tipp: Wenn die Zahnbürste beim Zähneputzen Brechreiz auslöst, spüle mit Mundwasser hinterher. Das ist besser als überhaupt keine Zahnpflege zu betreiben. Möglich ist es auch, die Zahnpasta mit dem Finger auf die Zähne aufzutragen und zu verreiben.

Besonders in der Schwangerschaft sollte auf eine gesunde, ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse geachtet werden. Achte auch darauf, fluoridhaltiges Salz zu benutzen. Das Baby holt sich sämtliche Nährstoffe aus dem, was die Mama isst und trinkt. Konsumiere nicht zu große Mengen an säurehaltige Lebensmittel für zwischendurch. Warte mit dem Zähneputzen immer eine halbe Stunde, sonst greifen die Säuren den Zahnschmelz noch stärker an. Das Gleiche gilt, wenn sich nach dem Erbrechen Magensäure im Mund befindet. Spüle den unangenehmen Geschmack mit lauwarmem Wasser oder Mundwasser aus, anstatt zur Zahnbürste zu greifen. Iss so wenig wie möglich Süßigkeiten als Zwischenmahlzeiten, die als Nährboden für Kariesbakterien dienen. Am besten isst du die Süßigkeiten nur zu den Hauptmahlzeiten und putzt die Zähne erst eine halbe Stunde später.

Wichtig ist eine Sanierung der Mundflora vor der Geburt des Kindes, um die Übertragung von Karies erzeugenden Bakterien auf das Neugeborene zu vermeiden. Das Ungeborene profitiert von einer guten Mundgesundheit seiner Mutter

Auswirkung der Zahngesundheit auf das Ungeborene

Die Zahnleisten des Ungeborenen entwickeln sich bereits ab der sechsten Schwangerschaftswoche, welche die Keimanlagen für die 20 Milchzähne und die später nachwachsenden 32 bleibenden Zähne enthalten. Um die 20. Schwangerschaftswoche wird der Zahnschmelz ausgebildet, Knochen und Zähne werden gebildet. Dazu braucht das Baby viele Mineralstoffe. Diese holt es sich aus dem, was die werdende Mutter isst und trinkt. Eine ausgewogene Ernährung während der Schwangerschaft ist also auch für die Zahnentwicklung des Kindes von großer Bedeutung! Außerdem profitiert dein Kind nach der Geburt von einer guten Zahngesundheit der Mutter – vor und nach der Schwangerschaft. Der Hintergrund ist nämlich, dass Karies von der Mutter auf das Kind übertragen werden kann, zum Beispiel, wenn beide den gleichen Löffel oder den Schnuller abschlecken!

https://focus-arztsuche.de/magazin/krankheiten/zaehne/zahngesundheit-der-schwangerschaft-erhalten

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