Stillen und Zahngesundheit

Liebe Mami, im heutigen Blog geht es um den Zusammenhang zwischen Stillen und der Zahngesundheit deines Kindes. Es werden die Rahmenbedingungen für Karies(-risiko) vorgestellt und auch die Basics der Muttermilch.

Immer mehr Erkenntnisse aus der Forschung deuten darauf hin, dass schon im Mutterleib und in den allerersten Monaten entscheidende Weichen für unsere lebenslange Gesundheit gestellt werden. Kinder, die länger als 40 Tage gestillt worden waren, haben z.B. weniger Karies als Kinder, die nicht bzw. kürzer gestillt wurden! Ein sehr bedeutsamer Einflussfaktor ist die „Art“, wie das Kind die Muttermilch zu sich nimmt. Das Microbiom verändert sich, wenn das Kind mit abgepumpter Muttermilch gefüttert wird. Diese Milch ist stärker mit Bakterien besiedelt.

Studien haben gezeigt, dass das Stillen eines Säuglings dosisabhängig zu einem geringeren Risiko für Zahnfehlstellungen und zu einer Verringerung des Kariesrisikos beiträgt. Der letzte Punkt gilt für gestillte Kinder unter einem Jahr als gesichert. Für gestillte Kleinkinder jedoch gibt es widersprüchliche Ergebnisse. Wenn die ersten Zähne durchbrechen, kann das weitere Stillen das Risiko für Karies tatsächlich erhöhen, vor allem nächtliches und sehr häufiges Stillen. Wann sich dieser Effekt bemerkbar macht, ist nicht ganz klar – nach der neuesten Zusammenfassung im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erst nach 24 Monaten. Das heißt, bislang gibt es keine Evidenzen dafür, dass das Stillen in den ersten zwei Jahren mit einem erhöhten Kariesrisiko verbunden ist.

Karies(-risiko)

Karies wird durch ein Bakterium verursacht, das sich Streptococcus mutans nennt. Dieses ernährt sich von Zucker und produziert aggressive Säuren, die die Zähne angreifen. Streptococcus mutans hält sich im Mund der meisten Erwachsenen auf. Die Mundhöhle eines Neugeborenen hingegen ist im Normalfall steril, somit sind keine Bakterien zu finden. Mit der Zeit bildet sich natürlich eine normale Mundflora aus. Aufgrund der noch fehlenden Zähne sind die typischen Kariesbakterien aber noch nicht vorhanden. Ein ganz wesentlicher Übertragungsweg für Kariesbakterien ist das Ablecken des Schnullers oder Flaschensaugers durch eine erwachsene Person sowie das gemeinsame Benutzen eines Löffels. Umso mehr Bakterien sich im Mund der Mutter befinden, desto mehr können auf das Kind übertragen werden.

Natürliche Faktoren, die zu Karies führen können, sind bspw.: die Ernährung der Mutter in und außerhalb der Schwangerschaft, Antibiotikum-Behandlungen der Mutter in der Schwangerschaft, Erkrankungen der Mutter in der Schwangerschaft mit (sehr) hohem Fieber, Zahnschmelzdefekt(e), Frühgeburten, Kaiserschnitte, ein niedriges Geburtsgewicht, die Speichelzusammensetzung, eine ungünstige Anatomie der Zähne, die Zahnpflege, die Mund- und Nasenatmung.

Viele Erwachsene denken auch, dass Zucker per se der Verursacher von Karies ist. Das stimmt so nicht ganz. Zucker ist nicht alleine für die Entstehung von Karies verantwortlich, denn es spielen auch noch die folgenden Faktoren eine Rolle:

  • Wie viele Mahlzeiten/ Zwischensnacks gibt es?
  • Wie häufig nuckelt das Kind an der Flasche? (Dauernuckeln? Art des Nuckelns?)
  • Wie lange wirkt der Zucker auf die Zähne ein?
  • In welcher Form wirkt der Zucker? (Saft wirkt nämlich anders als Obst)
  • Welche Konsistenz hat die Nahrung des Kindes? (Klebrige Speisen haften länger an den Zähnen)

Basics und Vorteile von Muttermilch

Muttermilch enthält kurzkettige Kohlenhydrate und wird häufig und über eine lange Zeit zugeführt. So könnte man denken, dass auch sie kariogene Wirkung haben kann. Im Gegensatz zu anderen zuckerhaltigen Nahrungsmitteln senkt Muttermilch den pH-Wert im Speichel des Kindes aber nicht. Beim Stillen werden die Zahnleiste und der Zahn nicht umspült. Muttermilch wirkt der Kariesbildung sogar entgegen: durch IgA wird das Wachstum von Bakterien gehemmt. Außerdem bindet das in der Muttermilch enthaltene Laktoferrin Eisen, so dass dieser zur Vermehrung von Bakterien notwenige Stoff nicht zur Verfügung steht. Zusätzlich enthält Muttermilch Mineralien zur Remineralisierung der Zähne. In neuesten Untersuchungen konnte kein kausaler Zusammenhang zwischen Stillen und frühkindlichem Karies hergestellt werden.

Unter kariogen bzw. Kariogenität versteht man die Fähigkeit eines Nahrungsmittels, Karies hervorzurufen. Die Kariogenität eines Lebensmittels hängt davon ab, wie viel und welche vergärbaren Kohlenhydrate enthalten sind, welche Konsistenz das Nahrungsmittel hat und wie lange das Lebensmittel im Mundraum verbleibt.

Zusammengefasst kann man sagen: Muttermilch gibt es wesentlich länger als Karies. Demzufolge kann sie nicht per se kariogen sein. Muttermilch hat außerdem keine lange Verweildauer im Mund. Sie enthält zudem viele karieshemmende Stoffe und Mineralien. Außerdem trägt Muttermilch zum Aufbau einer gesunden Mund- und Darmflora bei. Liebe Mami, wenn das mal keine aussagekräftigen Argumente FÜR das Stillen deines Babys sind…

Fazit

Stillen ist eine erstklassige Kariesprophylaxe. Wie jede andere Prophylaxe kann sie aber durch viele andere ungünstige Einflüsse (wie z.B. Beikost oder mangelnde Mundhygiene der Eltern) ihrer positiven Wirkung beraubt werden. Dies sollte uns aber nicht davon abhalten, junge Eltern gerade auch im Hinblick auf die Mundgesundheit ihrer Kinder zu einer intensiven Stillkultur hinzuführen. Und die beste Vorsorge ist eben immer noch die, über die man informiert ist, deren Auswirkungen man kennt und die man bereit ist, in den Alltag zu integrieren.

Links

Wenn du noch weitere Tipps zum Thema Stillen möchtest, dann schaue doch mal gerne bei meinen Stillvideos vorbei.