Ambulante Geburt

Mittags entbinden, abends zuhause sein – das ist der Wunsch von vielen Frauen, gerade für diejenigen, die lieber in den eigenen vier Wänden mit dem Baby sind. Zu Zeiten von Corona klingt der Begriff „ambulante Geburt“ sehr verlockend. Tatsächlich erfreut sie sich auch immer größer werdender Beliebtheit. Gerade jetzt inmitten der Pandemie, wenn der Papa nur 1-2 Stunden am Tag Besuchszeit hat und, wenn man Glück hat, nur kurz vor knapp mit in den Kreißsaal gehen darf, klingt eine ambulante Geburt zu verlockend. Oder? Im Folgenden möchte ich dir ein paar Tipps mit an die Hand geben.

Eine ambulante Geburt ist prinzipiell für alle Frauen möglich. Sie kann in einem Krankenhaus oder einem Geburtshaus stattfinden. Ambulante Geburt heißt, dass die Frau nach vier bis sechs Stunden nach der Entbindung die Klinik verlässt. Wann genau die Mutter mit dem Baby nach Hause geht, ist ihre persönliche Entscheidung.

Im Prinzip darf jede Familie, die es sich zutraut mit dem neugeborenen Baby in den eigenen vier Wänden zu sein, die ambulante Geburt wählen. Die einzigen zwei Grundvoraussetzungen sind eine möglichst komplikationslose und interventionsarme Geburt sowie körperliche Gesundheit von Mutter und Kind. Am besten nimmst du im Vorfeld Kontakt zu deinem präferierten Geburtsort auf und besprichst, wie das Vorgehen ist.

Liebe Mami, so verlockend eine ambulante Geburt in diesen Tagen klingen mag, bedenke bitte, dass es auch einiges zu beachten gibt:

  • Das Allerwichtigste ist eine Nachsorgehebamme! Bitte kümmere dich besonders frühzeitig darum. Lerne sie kennen, baue Vertrauen auf und besprich dein Vorhaben mit ihr. In den ersten Tagen nach der Entbindung ist es sogar möglich, dass deine Nachsorgehebamme zweimal pro Tag vorbeikommt, um nach dir und deinem Baby zu sehen. So kann sie Auffälligkeiten und Veränderungen sofort bemerken.
    Ganz wichtig für dich zu wissen, ist, dass deine Nachsorgehebamme eine Art Rufbereitschaft für dich rund um deinen geplanten ET hat. Diese Zeit bezieht sich auf drei Wochen vor und zwei Wochen nach der Geburt, da man ja nie wissen kann, wann das Baby tatsächlich kommen möchte.
  • Es muss gewährleistet sein, dass du in den ersten Tagen rund um die Uhr, also 24 Stunden, betreut wirst. Das kann dein Partner übernehmen, deine beste Freundin oder, wenn du Familie in der Nähe hast, diese. Hauptaugenmerk ist dabei, dass du entlastet wirst bei der Versorgung des Kindes, der Erledigung des Haushaltes und deiner alltäglichen Versorgung. Es sollten auch genügend Vorräte für die ersten Tage im Haus sein (Grundnahrungsmittel, Wasch- und Spülmittel, Sprudel, Windeln etc.). Oft ist es auch sinnvoll, einige Gerichte vorzukochen und einzufrieren. So könnt ihr euch als neue Familie ganz in Ruhe kennenlernen.
  • Denke außerdem daran, dass du deinen Kinderarzt über die ambulante Geburt informierst. Frage, ob er vielleicht einen Hausbesuch für die U2 (3.-10. Lebenstag) machen kann. Im Vorfeld muss dein Kinderarzt auch eine Bescheinigung ausfüllen, dass deine Nachsorgehebamme den Stoffwechseltest (Guthrie-Test) durchführen darf. Der Guthrie-Test muss innerhalb der ersten 72 Lebensstunden gemacht werden. Da nicht jede Hebamme diesen Test macht, ist wichtig, dass du deine betreuende Hebamme darauf ansprichst und nachfragst.https://onlinehebamme.de/mamaratgeber/wissenswertes-fur-die-geburt/guthrie-test-%E2%80%93-neugeborenen-screening--stoffwechsel%20Test Zusätzlich steht in den ersten ein bis zwei Wochen das Hörscreening für Neugeborene an. Auch darum solltest du dich in Rücksprache mit deinem Kinderarzt kümmern.

Vor- und Nachteile einer ambulanten Geburt

Der Hauptvorteil ist ganz klar, dass du in deinem gewohnten Umfeld bist, in deinem eigenen Bett schlafen kannst und deinen neuen Alltag so gestalten kannst, wie du möchtest. Meistens sind die Mamas zuhause entspannter, was sich wiederum positiv auf das Stillen und den Milcheinschuss auswirkt.

Wenn vielleicht schon ein Geschwisterkind zuhause ist, ist es auch für dieses leichter, wenn die Mama nicht viele Tage und Nächte weg ist und plötzlich mit einem neuen Baby nach Hause kommt. Sondern man sich gemeinsam als Familie an die neue Konstellation gewohnt.

Als Nachteil könnte man den ganzen Organisationskram sehen, den es im Vorfeld zu planen und in den Tagen nach der Geburt durchzuführen gilt. Einen wirklichen Nachteil im klassischen Sinne gibt es aber nicht. Es gibt aber die Tatsache, dass eine ambulante Geburt für manche Familien einfach nicht die richtige Entscheidung ist.

Eine ambulante Geburt ist Typsache. Wenn du der Typ bist, der schnell in Panik gerät und wegen jeder Kleinigkeit zum Kinderarzt fährt oder du der Typ bist, der viel (medizinische) Sicherheit braucht, ist eine ambulante Geburt eher nichts für dich. Wenn du dir deiner Sache sicher bist und keine Angst vor der neuen Situation zuhause hast, weil du z.B. schon ein oder mehrere Kinder zuhause hast oder einen medizinischen Beruf hast, dann kann eine ambulante Geburt mit einem entspannten Wochenbett zuhause genau das Richtige für dich sein.

Denke daran, dass das Wochenbett eine Zeit des Ankommens und des Kennenlernens ist. Es sollte eine möglichst entspannte Zeit für dich und dein Baby sein, egal wo. Lies dazu auch nochmal meinen Blog durch, wenn du möchtest.https://onlinehebamme.de/mamaratgeber/meine-zeit-nach-der-geburt/dein-wochenbett

Ganz wichtig ist, höre auf dein Bauchgefühl. Auch wenn du dich im Vorfeld klar FÜR eine ambulante Geburt aussprichst, dich dann aber nach der Geburt in der Klinik sicherer fühlst, so darfst du das durchaus so für dich entscheiden. Umgekehrt ist es deutlich schwieriger und auch nicht unbedingt zu empfehlen, da die Aufklärung über eine ambulante Geburt mit deiner Nachsorgehebamme sowie die oben genannten Vorbereitungen komplett fehlen. Manchmal gibt es aber auch medizinische Gründe, weshalb ein mehrtägiger Aufenthalt in der Klinik notwendig ist. Bleib einfach flexibel und packe im Vorfeld genug in deine Kliniktasche für dich und dein Baby ein.