Die Zeit nach dem Kaiserschnitt

Liebe Mami, jetzt hältst du dein kleines Wunder in den Armen und bist überglücklich, dass die Geburt geschafft ist. Ganz egal, ob dein Kaiserschnitt ärztlich notwendig war, ein Wunschkaiserschnitt war oder aus der Notsituation heraus entstanden ist – deine Zeit danach ist genauso wichtig wie bei einer Spontangeburt. Manche Dinge laufen im Wochenbett anders, bei anderen wiederum ist alles gleich.

Im Folgenden findest du die wichtigsten Punkte, die du beachten solltest.

  1. Stillen

Das Stillen nach einem Kaiserschnitt bereitet vielen Müttern Sorgen und Kopfzerbrechen. Es gibt den weit verbreiteten Mythos, dass das Stillen nur unter ganz besonderen Umständen nach einem Kaiserschnitt klappt und dann meistens auch nur voller Probleme ist. Liebe Mami, das stimmt so nicht ganz, da kann ich dich beruhigen. Was stimmt, ist, dass es ein paar mehr Regeln zu beachten gibt, als nach einer spontanen vaginalen Geburt. Was leider auch stimmt, ist, dass die Wahrscheinlichkeit bei den Kaiserschnitt-Mamis höher ist, das Stillen unter erschwerten Bedingungen leichter aufzugeben.

Wichtig ist, dass du mit deinem Baby ganz viel Bonding (also den engen Haut-zu-Haut-Kontakt) betreibst, um die hormonelle Bindung zu aktivieren. Lege dein Baby außerdem so früh es geht und sehr häufig an, lasse es die Brust komplett entleeren, um eine effektive Milchproduktion aufzubauen.

Es kann ein paar Hürden in der Anfangszeit des Stillens geben. Das ist bei einem Kaiserschnitt aber normal und kein Grund aufzugeben. Denke daran, du bist nicht allein. In Deutschland entbindet im Schnitt jede vierte Mutter durch einen Kaiserschnitt. Die drei häufigsten Hürden und den Umgang damit möchte ich dir vorstellen: Es kann sein, dass du in deiner Beweglichkeit eingeschränkt bist. Lasse dir von einer vertrauten Person, z.B. deinem Partner, helfen. Vielleicht gibt es auch ein Familienzimmer, wo dein Partner rund um die Uhr bei dir sein und dich unterstützen kann. Lasse dir aber das Kind auf keinen Fall komplett abnehmen, sondern kuschelt stattdessen viel und beschränkt den Besucherkreis auf die engsten Freunde und Familie. Es kann auch sein, dass du starke Schmerzen hast. Gib dem betreuenden Klinikpersonal Bescheid und frage nach Schmerzmitteln, die stillverträglich sind. Lasse das Schmerzlevel lieber nicht bis aufs Äußerste ansteigen. Beginne mit einer sanften Mobilisation, auch wenn es Überwindung kostet. Auf längere Sicht gesehen, hilft es dir, zu einer schmerzfreien Beweglichkeit zurück zu finden. Es kann auch vorkommen, dass dein Baby sehr unruhig oder schläfrig ist, vielleicht ist es noch nicht richtig angekommen. Gib deinem Baby viel Nähe und gib ihm das Gefühl, dass seine Geschichte und seine Erfahrungen gehört werden. Kuscheln, Bonding und Appetit auf die Brust machen (also deinem Baby häufig die Brust anbieten oder direkt daneben schlafen lassen), wirken oft wahre Wunder.

  1. Schonzeit

Gerade bei einem Kaiserschnitt ist die Schonzeit wirklich wichtig. Denn ein Kaiserschnitt ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Sei dir bewusst, dass du eine Bauch-OP hattest, bei der es im wahrsten Sinn des Wortes in die Tiefe ging (nämlich bis zur Gebärmutter).

Achte darauf, die ersten (mindestens) vier Wochen nicht mehr als 5 kg zu tragen. Das gilt insbesondere dann, wenn es noch Geschwisterkinder im Haus gibt, die ebenfalls gerne getragen werden. Überlasse diese Aktivitäten dem Papa. Kuschle stattdessen viel mit dem Geschwisterkind allein, mit dem Neugeborenen und dem Geschwisterkind zusammen und als Familie sowieso. Beim Trösten des Geschwisterkindes kannst du dich z.B. aufs Sofa setzen und es in den Arm nehmen oder auf den Schoß nehmen, statt es im Arm zu tragen.

Lasse dir außerdem viel Zeit bei den Dingen, die du erledigen möchtest/ musst und frage dich, ob es wirklich wichtig ist, es jetzt zu tun. Lasse dir auch viel von deinem Partner und/oder der Familie helfen. Lege die Beine hoch und schone dich. Erhole dich von deiner OP und gönne dir etwas Schönes, das dir gut tut. Es geht ja nicht nur um die äußere, sichtbare Naht, sondern auch um die inneren Nähte, die etwas länger zum verheilen brauchen.

  1. Die Wund- und Narbenheilung

In der ersten Zeit nach der OP treten häufig Schmerzen auf, die durch ein (stillfreundliches) Schmerzmedikament behandelt werden können. Nach etwa 24 Stunden wird der Wundverband entfernt und die oberflächliche Wunde wird meist mit einem hautverträglichen Pflaster oder einem Stück Binde abgedeckt. Ab jetzt ist es dir wieder möglich zu duschen. Tupfe die Narbe zum Trocknen vorsichtig ab.

Die Fäden und Klammern können etwa eine Woche nach der OP gezogen werden. Oft findet die schmerzfreie Entfernung am Tag der Entlassung statt. Wenn du einen unauffälligen Wundheilungsverlauf hast, darf deine betreuende Hebamme die Nachsorge übernehmen.

Durch den tiefen Einschnitt in den Bauch fühlt sich die betroffene Stelle meistens taub und fremd an, was aber normal ist. Durch den OP-Schnitt wurden nicht nur die Haut und die Gebärmutter geöffnet, sondern auch Muskeln, Gewebe und Nerven durchtrennt. Daher kommt auch meistens das Taubheitsgefühl. Dieses kann mehrere Monate bis hin zu Jahren andauern.

Von Arnika-Globuli über das Narbenpflaster bis hin zur Narbencreme gibt es viele Produkte zur Narbenpflege. Viele Frauenärzte raten aber in den ersten Wochen der Narbenheilung dazu, einfach gar nichts zu machen. Erst nach etwa vier Wochen empfehlen die meisten einmal täglich die Narbe mit Mandelöl oder Mandelölcreme einzureiben. Sprich aber bitte mit deinem betreuenden Gynäkologen nochmal über deine persönliche Situation!

  1. Rückbildung und Beckenboden

Die Rückbildung nach einem Kaiserschnitt dauert in der Regel länger als nach einer Vaginalgeburt. Dein Körper muss ja nicht nur die Narbe verheilen lassen, sondern auch die Muskel-, Haut- und Fettschichten müssen wieder zusammen wachsen. Mit der Rückbildungsgymnastik selbst solltest du mindestens acht bis zehn Wochen warten, abhängig von deiner individuellen Wund- und Narbenheilung. Sprich dafür am besten nochmal mit deiner betreuenden Wochenbetthebamme.

Die Rückbildungsgymnastik ist für jede Schwangere extrem wichtig. Leider hält sich der Irrglaube hartnäckig, dass Frauen mit einer Kaiserschnittgeburt keinen Bedarf an Rückbildung haben, da sie das Baby nicht vaginal auf die Welt gebracht haben. Liebe Mami, bitte höre nicht dahin. In den circa 40 Wochen Schwangerschaft ist dein Baby in deinem Bauch gewachsen. Es hat kontinuierlich an Gewicht zugelegt (plus das Gewicht der Plazenta plus das Gewicht des Fruchtwassers) und das alles hat dein Beckenboden getragen. Der Beckenboden besteht grundsätzlich aus drei Muskelschichten, die dein Becken stabil halten und die Organe tragen https://onlinehebamme.de/mamaratgeber/meine-zeit-nach-der-geburt/das-wunder-%E2%80%9Ebeckenboden%E2%80%9C. Nach der Geburt braucht dieser wichtige Teil deines Körpers besondere Zuwendung in Form von sanfter Rückbildungsgymnastik. Diese ist unabhängig von der Art der Entbindung, sondern vielmehr eine Konsequenz der Schwangerschaft. Dein Beckenboden hat durch die neun Monate Schwangerschaft an Haltekraft verloren und muss jetzt neu aufgebaut werden.

Zudem ist gerade bei den Kaiserschnitt-Mamas die Bauchmuskulatur sehr wichtig. Denn durch die OP wurde diese ganz besonders in Mitleidenschaft gezogen. Lege also dein Hauptaugenmerk bei der Rückbildungsgymnastik darauf. Sprich am besten mit deiner Hebamme, die dich in dem Kurs betreut. Nach 8-10 Wochen darfst du mit dem Rückbildungskurs und den ersten Ganzkörperübungen beginnen. Gehe es aber bitte langsam an. Denn nur, wenn du deinem Körper die Zeit lässt, die er braucht, kann er zu einer Grundfitness finden, die dauerhaft bleibt. Starte vorsichtig und mit speziellen Rückbildungsübungen. Wenn du deine Rückbildungsgymnastik abgeschlossen und keine Rectus Diastase https://onlinehebamme.de/mamaratgeber/meine-zeit-nach-der-geburt/rectusdiastase hast, kannst du dich langsam an deine gewohnte sportliche Tätigkeit herantasten.

Liebe Mami, man könnte fast sagen: jede Mutter hat nach der Geburt ihr Päckchen zu tragen: die, die vaginal geboren haben, sollten ihren Fokus stärker auf den Beckenboden lenken und die, die einen Kaiserschnitt hatten, sollten sich mehr auf die Muskulatur im Bauchraum fokussieren. Natürlich stehen in jedem Rückbildungskurs beide Aspekte im Mittelpunkt: die Stabilisierung des Beckenbodens als auch Rückbildung der Bauchmuskulatur (Schließung der Rectus Diastase). Gehe jedoch mit dem Bewusstsein an die veränderten Dinge in deinem neuen Alltag ran! Ich wünsche dir dabei alles Gute.