Schwangerschaftsdiabetes

8 von 100 Schwangeren sind laut einer Studie von dieser vorübergehenden Zuckerstoffwechselstörung betroffen. Gefühle wie Angst, Verunsicherung, Ratlosigkeit und vielleicht am Ende etwas Hoffnung machen sich breit. Alles Wissenswerte zu diesem spannenden Thema findest du im nachfolgenden Blog.

Liebe Mami, stell dir vor, du bist "ein Zuckermolekül. Ein kleines Glukosemolekül aus nur ein paar Kohlenstoff-, Wasserstoff- und Sauerstoffatomen. [Du bist] ganz schön süß, [hast] viel Energie und [bist] deshalb sehr beliebt. Ohne [dich] läuft praktisch keine Party. Die Partys beginnen im Mund. Weil [du] so süß [bist], dass [dir] kaum jemand widerstehen kann, [wirst du] oft dorthin eingeladen, [feierst] dann im Darm weiter, und anschließend geht´s ins Blut. [Dein] Ziel sind die Zellen - dort findet der Höhepunkt der Party statt." (Hebammenforum 3/2021, S. 8)

Wenn der Arzt dir aber eine der häufigsten Schwangerschaftsbeschwerden diagnostiziert, die Gestationsdiabetes oder im Volksmund Schwangerschaftsdiabetes, ist Schluss damit. Meistens kann diese Diagnose durch eine konsequente Umstellung der Lebensweise positiv beeinflusst werden. 70-80% der Frauen kriegen ihre Schwangerschaftsdiabetes allein durch die Änderung des Lebensstiles gut in den Griff.

Die Diagnose

Nachdem dein Arzt dir die Hiobsbotschaft "Ihr Blutzuckerspiegel ist zu hoch" überbracht hat, verspürst du wahrscheinlich erstmal Angst um dich und dein Baby. Das ist eine völlig normale Reaktion deines Körpers. In den meisten Arztgesprächen werden zwar Ziele, Maßnahmen und Risiken besprochen - doch häufig verlassen die Schwangeren dann doch mit einem unguten Bauchgefühl die Praxis. Im Raum stehen nach wie vor angstbehaftete Themen wie Bluthochdruck, Schwangerschaftsvergiftung (Präeklampsie), Geburtsverletzungen bei Mutter und Kind, Gelbsucht, Traumata, Kaiserschnitt oder übergroße Babys. Oft fragen sich die Betroffenen "Warum gerade ich?". Zudem häufen sich ab sofort eine Reihe an Untersuchungen bei dir an, die zu nicht weniger Überforderung und Verunsicherung führen.

Aber, liebe Mami, in der Realität sieht es oft gar nicht so düster aus. Laut einer aktuellen Studie reicht allein eine Änderung des Lebensstils bei 70-80% der betroffenen Frauen, um eine Besserung herbei zu führen. Nur 20-30% brauchen wirklich eine Insulintherapie. Außerdem treten die oben genannten Befürchtungen bei therapierten Frauen nicht häufiger auf, wie bei Frauen ohne Schwangerschaftsdiabetes. Das ist doch schon mal ein Lichtblick, oder?

Das Alter der Mutter (über 35 Jahre), Übergewicht und Diabetes in der Familie spielen mit der wichtigsten Rolle bei den Risikofaktoren . Es gibt aber auch einen sehr großen Anteil an betroffenen Frauen, die keine der Risikofaktoren aufweisen und dennoch diese Diagnose bekommen. Manchmal ist das Leben eben einfach nicht fair. 30-65% der Frauen sind z.B. normalgewichtig.

Umstellung des Stoffwechsels

Dass sich der Stoffwechsel während einer Schwangerschaft umstellt und es zu Veränderungen kommt, ist normal. In der zweiten Schwangerschaftshälfte wird durch die in der Plazenta gebildeten Hormone eine zunehmende Resistenz gegen Insulin gebildet. Heißt: dein Körper reagiert weniger sensibel auf die Insulinsignale, die gesendet werden. Statt deiner Zellen, wie bei dem Partybeispiel, bekommt nämlich dein Baby über die Plazenta mehr Glukose für sein Wachstum.

Der Körper produziert nach einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit etwa drei- bis viermal so viel Insulin wie vor der Schwangerschaft. Bei Frauen, die an Schwangerschaftsdiabetes erkrankt sind, schafft es der Körper nicht, diese natürlichen, schwangerschaftsbedingten Veränderungen aufzufangen und gegenzusteuern. Grund dafür können eine Insulinsensitivität  und/oder eine gestörte Insulinausschüttung sein. Beide Typen sind Funktionsstörungen, die beim klassischen Diabetes Typ 2  auftreten. Viele Experten sind sich daher einig, dass eine Schwangerschaftsdiabetes ein Vorbote der Altersdiabetes sein kann.

Die Herausforderung bewältigen

"Aktiv bewältigen" ist das Schlagwort. Gemeint ist damit eine Umstellung der Ernährung sowie der Lebensweise. Bei der Ernährungsumstellung treten besonders die Lebensmittel in den Fokus, die Kohlenhydrate und Zucker enthalten. Kohlenhydrate lassen den Blutzuckerspiegel ansteigen. Du erinnerst dich an das Partybeispiel am Anfang? Bei der Aufnahme von Kohlenhydraten passiert genau das Beschriebene: bei der Verdauung werden die komplexen Kohlenhydrate in Einfachzucker zerlegt, diese gelangen dann über den Darm ins Blut und erhöhen dort den Blutzucker. Was heißt das nun für dich?

Laut der Gestationsdiabetes-Leitlinie solltest du deine Nährstoffe aus 40-50% Kohlenhydraten, 20% Proteinen und 30-35% Fetten zusammensetzen. Neben der Menge spielt auch die Qualität eine große Rolle. Vermeide Süßigkeiten, gezuckerte Getränke und Weißmehlprodukte. Merke dir: Lebensmittel aus Getreide enthalten grundsätzlich viele Kohlenhydrate. Es wird empfohlen, auf Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, ungesüßte Milchprodukte, viel Obst und Gemüse sowie Nüsse und Samen umzusteigen. Kombinierst du zusätzlich Kohlenhydrate mit Proteinen, Fetten und Ballaststoffen, so steigt dein Blutzuckerspiegel verzögert an.

Achte außerdem auf deinen Essrhythmus. Drei größere Hauptmahlzeiten und zwei bis drei kleinere Zwischenmahlzeiten/ Snacks können dir helfen. Morgens vertragen viele Schwangere aufgrund der erhöhten Insulinresistenz deutlich weniger Kohlenhydrate. Passe das Verhältnis der Kohlenhydrate einfach an deine Hauptmahlzeiten an.

Ein weiterer wichtiger Baustein neben der Ernährung ist die körperliche Bewegung. Achte bei der Sportauswahl auf deine individuelle Ausgangslage sowie dein Fitnesslevel vor der Schwangerschaft. Es wird empfohlen, mindestens dreimal die Woche ein leichtes bis mittleres Ausdauer-/ Krafttraining für jeweils 30 Minuten zu machen. Lege Wert auf die Regelmäßigkeit und darauf, dass das Training schwangerschaftstauglich ist. Auch ein flotter Spaziergang nach dem Essen kann die Blutzuckerregulation deutlich verbessern.

In Summe bilden also oben genannte Faktoren die Basis der Umstellung deines Lebensstils. Je nachdem, wie deine Lebensweise davor war, ist die Umstellung mit größeren oder kleineren Einschränkungen/ Neuerungen verbunden. Halte bei Fragen und Unsicherheiten bitte immer Rücksprache mit deinem betreuenden Arzt!

Die Chance nutzen

Auch wenn sich die Werte nach der Entbindung wieder normalisieren, so haben Frauen, die eine Schwangerschaftsdiabetes hatten, ein bis zu siebenfach höherem Risiko in den kommenden zehn Jahren an Altersdiabetes zu erkranken. Konkret heißt das: jede zweite Frau mit der Diagnose Schwangerschaftsdiabetes bekommt im weiteren Verlauf den Diabetes Typ 2. Siehe diese Zahlen aber bitte nicht als Hürde, sondern als eine Chance. Als die Chance, rechtzeitig erfahren zu haben, dass du eine Veranlagung für Diabetes in dir trägst. 

Es gibt einiges, dass du präventiv dagegen tun kannst, um die Veranlagung hinauszuzögern oder dem Diabetes vorzubeugen. Stillen hilft dir z.B. dabei! Mütter, die ihre Babys länger als drei Monate ausschließlich und voll stillen, könnten den Diabetes Typ 2 um bis zu zehn Jahren verzögern. Auch das Gewicht spielt eine entscheidende Rolle. Betroffene Frauen sollten durchschnittlich mind. 2,5kg langfristig unter ihrem Normgewicht sein, um das Risiko der Erkrankung zu senken. Die Grundpfeiler einer erfolgreiche Diabetestherapie bleiben jedoch auf lange Sicht betrachtet, eine aktive Lebensweise und eine in der Schwangerschaft erfolgte Ernährungsumstellung.

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